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Die dienende Rolle im Malspiel
Die dienende Einstellung unterscheidet sich grundsätzlich von einer belehrenden Beziehung zum Kind: Der Dienende im Malort vermittelt kein Wissen. Aber die gründliche Kenntnis des Formulationsablaufes bestimmt seine Haltung: Das Wissen um das Allgemeingültige schützt vor der Versuchung einer Anteilnahme am Persönlichen, vor der Lust, die entstehende Spur zu beurteilen oder gar zu deuten. Es ist zur Ausübung dieses Berufes unentbehrlich; nicht aber eine eigene Erfahrung im Umgang mit Pinsel und Farbe. Hier entsteht ja nicht ein Verhältnis wie zwischen dem vorbildlichen Meister und dem unerfahrenen Lehrling.
Dienen heißt, in jedem Moment sich in die Lage aller versetzen, die hier spielen; dafür sorgen, daß sie durch nichts vom Wesentlichen abgelenkt werden; ihnen jede unnötige Mühe ersparen; sie vor jeder materiellen Besorgnis entlasten.
Das ungewöhnliche Bedientwerden beglückt jeden, es führt keineswegs zur Abhängigkeit. Es hat vielmehr zur Folge, daß das Geschehen im Malort zu einem wichtigen, schätzenswerten Ereignis wird.
Es braucht zur Ausübung dieser Rolle eine Wachsamkeit, die mit der eines Rennfahrers zu vergleichen ist. Wer diese Rolle spielen möchte, muß ein wahres berufliches Können erwerben. Ungefähr kann man sie nicht spielen. Die kleinste Vernachlässigung ist folgenschwer im Ablauf der Malstunde.
"Ich habe mir zur Aufgabe gemacht, das, was ich erfahren und erprobt habe, möglichst vielen Leuten beizubringen, denn ich weiß, wie wichtig das Geschehen im Malort ist. Es soll vielen Leuten vergönnt sein. Dazu müssen viele Orte eingerichtet werden von verantwortungsvollen Malspiel-Dienenden. Dieses Dienen ist - zum Unterschied von so vielen Beschäftigungen in unserer Gesellschaft - eine beglückende Tätigkeit, die nie zur Routine erschlafft." Arno Stern
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